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Kommt der Knochen zum Hund?

In den Anfängen das Internets war es so, dass man selbst suchen musste. Teilweise wusste man gar nicht, welche Schätze im Netz verborgen waren. Ohne Suchmaschinen war man aufgeschmissen. Teilweise gab es sogar Papierbücher mit Links zu kaufen. Heute unvorstellbar. Gab es ein Leben vor Google?
Knochen
Ähnlich war es in Sachen soziale Netzwerke. Die Nerds kannten das Usenet. Davor gab es Mailboxen mit Foren. Da konnten dann immerhin schon mal einige zueinander finden. War aber alles in überschaubaren Rahmen. Foren gab und gibt es auch heute noch im Internet. Aber die sind meist auf bestimmte Bereiche spezialisiert. Auch mein damals (2001) selbst aufgebautes soziales Netzwerk hatte den Zweck, Katzenliebhaber zu sammeln. Hat auch wunderbar geklappt... bis die großen sozialen Netzwerke entstanden.

Gleichzeitig wuchs auch die Macht der Suchmaschinen, inzwischen die Macht einer einzelnen Suchmaschine.

Etwa Mitte der 2000er begann der Siegeszug der kommerziellen sozialen Netzwerke. Einige kamen, andere gingen. Und nun haben wir eine überschaubare Auswahl, teilweise mit Milliarden von Nutzern. So, und der Siegeszug des Internets sorge für eine derartige Informationsflut, welche von einem einzelnen Nutzer absolut nicht zu managen war.

So begann der Siegeszug der Relevanz. Und die Suchmaschinenoptimierung. Und die Jagd, in den sozialen Netzwerken ebenfalls ganz weit oben angesiedelt zu sein. Da kippte die Nutzung des Internets irgendwann um. Der Nutzer selbst brauchte kaum noch suchen. Das erledigten Algorithmen für ihn. Der Knochen kam zum Hund. Sehr praktisch zum konsumieren.

Und so verlernten viele die Medienkompetenz. Weil ohne viel eigene Mühe wurde man "bespielt". Jüngere Menschen sind direkt in diese Phase hineingeboren worden.

Und wenn Menschen Mittel zur Erleichterung des Lebens gereicht werden, nutzt er sie selbstverständlich aus und nimmt gar nicht mehr wahr, dass irgendwer oder irgendwas den allumfassenden Algorithmus versorgt. Selbst die Macher wissen schon lange nicht mehr, wie der Automatismus im Detail funktioniert. Die erfolgreichen Nutzer der Medien geben die Reihenfolge vor. Deswegen nennt man sie heute sogar "Influencer", zu deutsch "Beeinflusser". Kann man grob mit Suchmaschinenoptimierung in der Werbebranche vergleichen.

Trotzdem haben viele unterschiedlichen Social Media Portale unterschiedliche Nutzergruppen. YouTube logischerweise Videos, Instagram Fotos, Facebook Verwandtschaft und Freunde. Twitter banales und Aufreger. Aufzählung ist unvollständig.

Google als Suchmaschinengigant ist relativ spät auf den Trichter gekommen und hat erst 2011 G+ eröffnet. Dort fanden sich dann viele, welchen es um die unterschiedlichsten Themenbereiche ging. Und man fand dort viele Freunde mit ähnlichen Ansichten. Einerseits erfolgreich für die Nutzer. Aber da diese Gruppe doch nach Ansicht von Google zum Geldverdienen eher nicht zu gebrauchen war, wurde das Portal leider eher stiefmütterlich behandelt und schliesst nun im Frühjahr 2019. Und das, obwohl G+ unter den Top 10 der Netzwerke war. Aber ohne Moos nix los. Das ist der Nachteil der kommerziellen sozialen Netzwerke. Der Betrieb kostet viel Geld, welches durch Werbung und Verkauf der Nutzerdaten generiert wird. Für einige Netzwerke mit unverschämten Erfolg.

Zurück zum Konochen, welcher zum Hund kommt. Die maschinelle Relevanz gaukelt uns ein verzerrtes Weltbild vor und, was ungleich schlimmer wiegt, verzerrt inzwischen tatsächlich die Welt.

Ich habe über einige wichtige Bekanntschaften über G+ gelernt, vieles differenzierter zu sehen. Aber mit der Zeit und der Macht der Algorithmen ist es passiert, dass selbst meine Vorbilder oft abstürzten und sich in schwarz/weiß Malerei verfingen. Das finde ich schade, aber schiebe es auf die maschinelle Relevanzsteuerung.

Und was mich auch sehr traurig stimmt, ist die Tatsache, dass nun allerorten gejammert wird, man würde sich ja nach der Abschaltung von G+ nicht mehr sehen. Oder schlimmer noch, da wird gesagt "Schade um deine schönen Katzenbilder, welche wir bald nicht mehr sehen".

Ähm, was? Ich habe mich vorbereitet. Nutze andere Medien aber auch unabhängig davon eigene Webseiten. Sogar mit RSS Feed und EMail-Abomöglichkeit bei neuen Beiträgen. Aber selbst das reicht nicht. Weil da muss sich geneigter Nutzer selbst drum kümmern. Vulgo, der Hund muss selbst den Knochen holen.

Oder: Schade, Du gehst ja auf Netzwerk X aber ich nach Netzwerk Y. Da sehe ich nun nix mehr von dir.

Da ist meine berechtigte Frage, wie soll ich mich als "Lieferant" verhalten. Soll ich jetzt alle Netzwerke fluten, damit ich jeden weiterhin erreiche? Ist das überhaupt meine Aufgabe? Und ja, natürlich hätte ich gerne viele Zuschauer, wer hätte das nicht. Aber ich bin auch kein Kaufmann, welcher laut die Werbetrommel schwingt. Ich bin nur ein kleines Licht, welches seine Bilder und andere Dinge veröffentlicht. Ohne finanzielle Interessen. Ohne Interesse, Suchmaschinenoptimierung zu betreiben oder als "Influencer" aufzusteigen.

Von daher habe ich persönlich einen Kompromiss erarbeitet. Ich habe alle relevanten Sammlungen von G+ in Blogs verpackt. Poste Neuigkeiten über Diaspora, teilweise Mastodon, Twitter und momentan auch Facebook. MeWe wird nicht meins werden. Trotzdem habe ich da, wie auch in anderen Netzen mich angemeldet. Bin also erreichbar. Update: Nur noch Diaspora und Mastodon.

Wer also sagt, ich bin bald weg, das stimmt nicht. Meine Katzen und Beiträge werden ab nun nur nicht mehr auf einem Silbertablett von einem Automatismus und einem relevanzbasierten Algorithmus geliefert. Jeder muss selbst aktiv werden. Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit. Für einige andere scheint es etwas ungewohntes zu sein. Schade.

Wer mich nicht findet, hat selbst Schuld. Stichwort "katzenjens" ist seit über 10 Jahren bei Google festverdrahtet. Ansonsten, Anlaufstelle ist nun meine alte Homepage www.jensu.net . Dort sind die Links zu den Blogs, sämtliche Kontaktmöglichkeiten und Links zu den sozialen Medien.

Aber aktiv werden muss jeder selbst.

PS. Thema "Influencer"
Als Influencer hat man, wenn man Glück hat, eine Zeit lang ein gutes finanzielles Auskommen. Man verliert aber die Bodenhaftung. Zum einen kann einem der Erfolg zu Kopf steigen. Zum anderen verschmilzt man mit dem Relevanzalgorithmus und macht immer üblere Dinge, um weiter aufzusteigen. In den Spiegel gucken kann man dann meist nicht mehr. Ich habe YouTube als Influencer verlassen können, bevor es mir zu Kopf gestiegen ist.

Dieser Beitrag ist aus meinem Blog schrottgedanken kopiert.

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